Strukturelle und funktionelle Bildgebung bei Gilles de la Tourette-Patienten

  Vortrag Dr. I. Neuner
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Aachen
Institut für Medizin, Forschungszentrum Jülich

 

Methoden MRT und fMRT

Die Magnetresonanztomographie (MRT) und die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) sind Methoden, die es ermöglichen, sehr hoch aufgelöste Bilder des Gehirns aufzunehmen. Dabei macht man sich Veränderungen in einem Magnetfeld zunutze, Röntgenstrahlen oder radioaktive Stoffe kommen dabei nicht zum Einsatz.

 


Ansicht eines MRT-Gerätes

 

 


 Schemazeichnung der Bestandteile eines MRT-Gerätes

Im MRT-Gerät können über ein Videosystem, Kopfhörer und Tasten dem Untersuchten Aufgaben gestellt werden, z.B. immer eine Taste zu drücken, wenn auf dem Videoschirm der  Buchstabe X erscheint. Dies führt zur Aktivierung bestimmter Gehirnareale. Die Lokalisation und die Stärke der Aktivierung geben Auskunft über die Funktion des Gehirns.

 

Neuroanatomie
Für das Gilles de la Tourette Syndrom sind im Gehirn bestimmte Areale von besonderer Bedeutung. Dies sind z.B. die Basalganglien. Sie sind die Schaltstelle im Gehirn für einen harmonischen Bewegungsablauf, die Verbindung von komplexen Bewegungsabfolgen und für das Tempo einer Bewegung. Die Basalganglien sind auf der nachfolgenden Zeichnung und im nachfolgenden MRT-Bild dargestellt.

 


Auszug aus einem Anatomieatlas,
Schnittbild durch das Gehirn in Höhe der Basalganglien

 

 


 

 MRT-Bild des Gehirns, Schnittbild auf Höhe der Basalganglien

 

Die Basalganglien stehen mit verschiedenen anderen Systemen im Gehirn in enger Verbindung. Darüber lassen sich Phänomene erklären, von denen viele Tourette-Betroffene berichten. Betroffene schildern z.B., dass sie beim Arbeiten am Computer weniger Tics haben. Tätigkeiten, die Aufmerksamkeit und Konzentration erfordern, führen zu einer Aktivierung von Gehirnabschnitten im sogenannten Frontallappen, einem Anteil des Gehirns, der u. a. oberhalb der Augen liegt. Von diesem Gehirnteil gehen Impulse aus, die auf die Basalganglien Einfluss nehmen. Ähnlich verhält es sich mit der Beobachtung, dass bei Aufregung und Ärger die Tics zunehmen. Hierbei erhalten die Basalganglien Impulse aus einem anderen Bereich des Gehirns, das für Gefühle zuständig ist, dem sogenannten limbischen System.

 

MRT und Tourette
Eine amerikanische Arbeitsgruppe unter Leitung von Frau Pearson hat 2001 und 2003 mittels MRT untersucht, ob bei Tourette-Betroffenen im Vergleich zu Gesunden Unterschiede in der Größe verschiedener Gehirnareale bestehen. Dabei hat sie gezeigt, dass bestimmte Areale, z.B. im Bereich des Schläfenlappens, im Vergleich zu Gesunden größer sind bei Tourette-Betroffenen. Die Größe bestimmter Areale korrelierte mit der Ticschwere. Im Bereich der Basalganglien zeigte sich ein Größenunterschied in einem bestimmten Kern, dem Nucleus caudatus. Inwieweit die Größenveränderungen Ursache oder Folge des Tourette-Syndroms sind, ist derzeit noch nicht geklärt.

fMRT und Tourette
Eine andere amerikanische Arbeitsgruppe hat 1998 bei Tourette-Betroffenen die Gehirnareale untersucht, die aktiv sind, wenn eine Person wiederholt mit den Fingern der rechten Hand auf eine Unterlage klopft. Dabei zeigte sich, dass bei den Tourette-Betroffenen ein größeres, verstreuteres Areal diese Bewegung steuert.

Aachen-Jülicher Studie
Im Rahmen der Aachen-Jülicher Studie wollen wir bei Tourette-Betroffenen anatomische Aufnahmen durchführen. In der gleichen Untersuchung planen wir, danach über funktionelle Magnetresonanztomographie die Abläufe im Gehirn kurz vor und während eines Tics zu untersuchen. Den Einfluss von Konzentration werden wir über folgende Aufgabe untersuchen. Der Proband sieht im MRT auf einem Bildschirm eine Reihenfolge von Buchstaben. Immer wenn ein X gezeigt wird, soll der Proband mit dem rechten Zeigefinder eine Taste drücken. Danach sieht er eine erneute Reihenfolge von Buchstaben und soll drücken, wenn der vorletzte Buchstabe und der aktuell gezeigte gleich sind. Im Anschluss planen wir, Gesichter zu zeigen und der Proband muss per Tastendruck entscheiden, ob diese Person  z.B. einen traurigen oder nicht traurigen Gesichtsausdruck zeigt.
Um während der gesamten Untersuchung die Tics zu beobachten, verwenden wir im MRT zwei Mini-Kameras und ein Mikrophon. Der Einsatz einer Kamera im MRT ist aus technischen Gründen sehr anspruchsvoll, die Kameras werden speziell für die Studie in Jülich entwickelt und sind aktuell in der Testphase.
Für die Teilnahme an unserer Studie suchen wir Probanden ab 18 Jahre, die Rechtshänder sind. Sie dürfen kein Metall im Körper haben, keine Tätowierungen. Eine Schwangerschaft schließt die Teilnahme ebenfalls aus. Die ersten Untersuchungstermine sind für Januar 2005 geplant, weitere Informationen und Kontaktaufnahme über

Frau Dr. Neuner -> Telefon 02461 616356 oder per E-Mail ineuner@ukaachen.de

Der Zeitaufwand für die Studie beträgt ca. 2 Tage. Wir bieten eine kostenlose Übernachtung, die Fahrtkosten trägt dankenswerterweise die Tourette-Gesellschaft Deutschland. Die MRT-Untersuchung ist mit einer klinischen Untersuchung, neuropsychologischen und elektrophysiologischen Untersuchungen kombiniert. Sie erhalten einen Ausdruck des Bildes von Ihrem Gehirn und einen Bericht über die Ergebnisse.

 

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