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Liebe
Mitglieder und Freunde der Tourette-Gesellschaft Deutschland Jena,
wir kommen, hieß unser
Schlachtruf, dem die meisten unserer 907 Mitglieder leider nicht gefolgt
sind, denn wir konnten um 10.00 Uhr, zur Eröffnung unserer
Mitgliederversammlung, gerade mal 25 Mitglieder begrüßen. Im Laufe des
Vormittags erhöhte sich die Zahl auf 34, was uns dann doch sehr erfreute.
Nach Erledigung der Formalien, Bericht des Vorstands, Bericht des
Kassenwarts und Kassenprüfers, stand die Neuwahl des Vorstands auf dem
Programm. Unsere langjährige 1. Vorsitzende, Frau Silvia Viertel, legte
ihr Amt nieder und stand somit zur Wiederwahl nicht zur Verfügung. Der
Mitgliederversammlung wurden vorgeschlagen: Frau Michaela Flecken als 1.
Vorsitzende, Herr Wolf Hartmann als 2. Vorsitzender und Frau Carmen
Grieger als Kassenwartin. Alle drei vorgeschlagenen Personen wurden in der
anschließenden Wahl einstimmig gewählt. Der
neue Vorstand möchte Ihnen auf diesem Wege für das entgegengebrachte
Vertrauen danken und Sie können sicher sein, dass wir in den nächsten
zwei Jahren die Geschicke unserer Gesellschaft im Sinne unserer Mitglieder
führen werden. Dir, liebe Silvia Viertel, möchten wir danken, für Dein
großes Engagement, welches Du in vier Jahren Vorstandsarbeit, man kann
wirklich sagen Tag und Nacht, unserer Gesellschaft entgegengebracht hast.
Wer mit Silvia zusammen arbeitet, muss nämlich wissen, dass morgens um
sechs bei ihr die Welt schon in Ordnung ist und wir anderen
Vorstandsmitglieder am Telefon die ersten Informationen zu neuen Projekten
erhielten. Mit ihrem Witz und Charme hat sie die Herzen unserer
Forschungsprofessoren erobert und ihr konnte so leicht niemand einen
Wunsch abschlagen. Das musste auch Arndt Ackermann, Leiter der
Selbsthilfegruppe Thüringen, erfahren, der zusammen mit Silvia ein
Tourette-Lied komponierte, ein Abschiedsgeschenk von Silvia an die
Mitglieder der TGD. Stimmgewaltig angestimmt von Silvia, begleitet an der
Orgel von Arndt Ackermann und allen Mitgliedern im Saal als
Backgroundchor, beendete dieses Lied nach 12.00 Uhr unsere
Mitgliederversammlung. Wir verabschiedeten Silvia mit einem großen
Blumenstrauß und einem kleinen Tourette-Teddy, letzterer als Talisman für
ihren weiteren Lebensweg. Unsere
Nachmittagsveranstaltung konnte pünktlich um 14.00 Uhr beginnen und war
gut besucht. Herr Prof. Blanz, unser diesjähriger Gastgeber vom Universitätsklinikum
Jena begrüßte die anwesenden Gäste und führte durch unser
Nachmittagsprogramm. Als erste Referentin sprach Frau Dr. Irene Neuner, UK Aachen, über die ersten Erkenntnisse der Forschungsstudie Aachen/Jülich, an der auch viele unserer Mitglieder teilgenommen haben. An dieser Stelle möchten wir gerne Frau Carmen Grieger zitieren, welche zum Vortrag von Frau Dr. Neuner folgendes festhielt: Der Vortrag von Frau Dr. Neuner war sehr spannend, denn die eigene Teilnahme an solch einer Studie schafft natürlich einen besonderen Bezug.
Zitat
Frau Dr. Neuner: "Die Ergebnisse zeigen eine starke Aktivierung der
Amygdala gegenüber Emotionen wie Ärger und Angst, sowie eine überschießende
Reaktion gegenüber neutralen Gesichtern. Die überschießende Aktivierung
der Amygdala kann als Resultat einer fehlerhaften Hemmung über frontale
Areale diskutiert werden. Sowohl strukturelle wie auch funktionelle
MR-Untersuchungen zeigen eine komplex frontale Dysfunktion bei
Tourette-Syndrom. Inwieweit eine medikamentöse Therapie die frontale und
limbische Dysfunktion beeinflussen kann, wird Gegenstand weiterer Studien
sein." Auf
die Frage, wie sich diese Ergebnisse im Alltag auswirken, ob Betroffene
emotionaler seien als gesunde Menschen, antwortete Frau Dr. Neuner lächelnd:
"Das wäre Spekulation". Als nächstes sprach Herr Dr. Rössner, Universität Göttingen, er gab einen Überblick über die Krankheitsbilder ADHS und Tics. Weiterhin informierte er über eine neue Forschungsreihe, die demnächst an der Universität Göttingen beginnen wird.
Nach
der Kaffeepause berichtete Andrea Neugebauer, Mutter von Robin. Dazu
Carmen Grieger: Frau
Neugebauer berichtete über ihren Sohn Robin, von ihrer verzweifelten
Suche nach Ärzten, die sich mit "Tourette" auskennen, ihren
Erfahrungen mit verschiedenen Medikamenten, Problemen in der Schule und
dem Einfluss des Tourette-Syndroms auf das gesamte Familienleben. Der
Vortrag war für mich emotional sehr ergreifend und ich bewundere Andrea
Neugebauer, mit welcher Energie sie für ihren Sohn kämpft und dennoch
immer ein Lächeln auf den Lippen hat. Ich denke, sie sprach
stellvertretend für alle Mütter mit betroffenen Kindern, und ich möchte
an dieser Stelle gerne an alle Mamis symbolisch einen Blumenstrauß überreichen,
verbunden mit den besten Wünschen! Als
letzten Referenten konnten wir Hans Biegert, Schulleiter der HEBO-Schule
Bonn begrüßen. Michael Treffer - wir hatten noch gar nicht erwähnt,
dass er zu unserem neuen Kassenprüfer gewählt wurde - hielt dazu im
Tourette-Forum von Hermann Krämer fest: Der Vortrag von Herrn Biegert (Schulleiter der HEBO-Schule) war
sehr interessant und sollte zur Pflichtveranstaltung für Pädagogen
werden. Hier wurde das "Schulparadies" geschildert. Wie schön wäre
es für Kinder und besonders für TS- und ADHS-Kinder, wenn es an allen
Schulen so zuginge wie es geschildert bzw. empfohlen wurde. Wie ihr selber
aus eigener Erfahrung wisst, sind die Realitäten leider oftmals anders.
Das fängt bei Mobbing und Ausgrenzung an und geht bis zu einem versuchten
Schulausschluss. Natürlich muss man ehrlichkeitshalber erwähnen, dass es
auch Schulen gibt die sich bemühen und bei denen es auch weitestgehend
"klappt". Aber hoffen wir mal, dass ein Umdenken einsetzt und
noch mehr TS-Kinder auf verständnisvolle Pädagogen und Mitschüler
treffen und akzeptiert werden wie sie sind. Frau
Grieger schilderte ihre Eindrücke wie folgt: Das Konzept der Hebo-Schule ist beeindruckend, weil die Pädagogen
im Unterschied zum Unterricht an herkömmlichen Schulen individuell auf
die Kinder eingehen. Es wird nicht der Schüler als Lernobjekt gesehen,
sondern das Kind mit seinen Fähigkeiten, die es gilt, zu fördern. Ich
und alle anderen Teilnehmer der Jahrestagung haben Herrn Biegert
fasziniert zugehört und sicherlich haben sich viele gewünscht, der eine
oder andere Lehrer des eigenen Kindes wäre unter uns gewesen. Im
Anschluss an den Vortrag beantwortete Herr Biegert noch viele neugierige
Fragen aus dem Publikum. Rückblickend
können wir heute sagen, dass trotz der geringen Mitgliederzahl am
Vormittag, die Jahrestagung, geprägt durch die
guten Vorträge unserer Referenten am Nachmittag, sehr spannend und
für alle Teilnehmer gewinnbringend war. Im Oktober 2007 treffen wir uns
in Hamburg. Hamburg, Tor zur Welt, wir kommen! Hoffentlich schließen sich
viele unserer Mitglieder diesem Schlachtruf an und scheuen auch eine weite
Anreise zum Tagungsort nicht.
Es
grüßt Sie alle ganz herzlich der
neue Vorstand Michaela
Flecken
Wolf Hartmann
Carmen Grieger
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