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Tourette im Talk
- Interview mit Andi Rogenhagen (Regisseur von "Ein Tick anders") Im Rahmen der
Premiere zum Kinofilm von Ein Tick anders in Hamburg hatten wir die
Möglichkeit, den Regisseur Andi Rogenhagen, die Schauspieler Jasna Fritzi
Bauer, Renate Delfs und Waldemar Kobus für unsere Vereinszeitschrift
TOURETTE AKTUELL zu interviewen. Aufgeregt und gespannt trafen wir uns in
einem kleinen Bistro, wo Andi Rogenhagen schon auf uns wartete und uns
herzlich begrüßte. Gleich fragte er uns, ob wir den Film schon gesehen
haben und wie wir ihn finden, da es für ihn sehr wichtig ist, wie
Betroffene den Film sehen: "Ich glaube hätte in der Rohfassung des
Buches ein Betroffener gesagt, Mensch, das kannst Du so nicht machen, lass
das sein, hätte ich das Ganze gecancelt." Aber, ich möchte natürlich
ihren Fragen nicht vorgreifen. Daniel Weber: Warum
haben Sie sich für Jasna Fritzi Bauer als Hauptdarstellerin entschieden? Andi Rogenhagen:
Wir hatten Castings in Berlin, Hamburg und Köln und suchten eine junge
Frau zwischen 15 und 25 Jahren. Jasna hatte zu der Zeit noch keine
Agentur, sondern war eine Empfehlung der Agentur einer Freundin. Jasna hat
eine unglaubliche Ausstrahlung. Als sie durch die Tür herein kam, dachte
ich, hey das könnte sie sein, das könnte meine Eva werden und das hat
sie auch im Casting bewiesen. Ich finde, dass da zwei Sachen zusammen
gekommen sind: erstens fand ich ihre Ausstrahlung toll und zweitens war
sie im Casting die Beste. Daniel: Wäre es nicht vielleicht auch eine Möglichkeit gewesen, dass die Rolle der Eva eine Tourette-Betroffene spielt, um die Tics so realistisch wie möglich darzustellen? Andi Rogenhagen:
Anfangs dachte ich auch darüber nach, habe mich dann aber doch
dagegen entschieden, da ich die Tics schon sehr genau beschrieben habe.
Das Tourette in meinem Film ist auch ein bisschen designed. Designed,
damit die Geschichte funktioniert und rund ist. Daniel:
Kannten sie das Tourette-Syndrom schon vorher? Andi Rogenhagen: Nur als normaler Bürger, der hier und da mal was aus den Medien mitbekommen hat. Ich erinnere mich aber von früher aus Marl. Da gab es einen Mann, der immer „Heil Hitler“ geschrien hat. Für uns war das damals alles sehr komisch. Leider gibt es keine Zeitmaschine, dass man hätte zurückreisen können, um diesen Mann zu befragen. Heute aber glaube ich, dass dieser Mann bestimmt das Tourette-Syndrom hatte. Jetzt, im Laufe der Zeit, ist das Tourette-Syndrom für mich normal geworden, wo ich früher vielleicht noch gedacht hätte "Oh Gott, was mache ich jetzt und wie gehe ich damit um." Daniel: Haben
Sie sich vorher Gedanken darüber gemacht, wie der Film bei Betroffenen
oder Angehörigen ankommen wird oder war ihnen das egal? Andi Rogenhagen: Ja
klar, mir war das überhaupt nicht egal. Ich habe mir natürlich sehr
viele Gedanken gemacht, gerade ob so ein Film, der ja eigentlich auch
einen ernsten Hintergrund hat, als Komödie funktioniert. Ich konnte den
Film natürlich nicht aus der Sicht eines Betroffenen oder Angehörigen
sehen. Daniel: Warum
ist ausgerechnet die sogenannte Koprolalie in dem Film so stark vertreten
und nicht vielleicht ein anderes Ticbild? Andi Rogenhagen:
Ich glaube, ich muss da ganz ehrlich antworten, weil es Kino ist, weil es
ein Film ist und weil es die Leute unterhalten soll. Natürlich ist es
etwas provokant, aber ich möchte ebenso auch erreichen, dass es
Betroffene vielleicht etwas einfacher haben und dann auf den Straßen
nicht mehr angestarrt werden oder Ähnliches. Dass Leute, die den Film
gesehen haben dann sagen "Okay, das kenne ich, das ist Tourette". Ich
hoffe sehr, dass es so funktionieren wird. Daniel:
Haben
Sie Bedenken, dass EIN TICK ANDERS zu viel mit dem Film VINCENT WILL MEER
verglichen wird? Andi Rogenhagen: Bisher habe ich den Film noch nicht gesehen. Nicht, weil ich ihn nicht sehen wollte, sondern, weil ich mich auf meinem Weg nicht beeinflussen lassen wollte. Mit einem Lächeln sagt er weiter: die Leute, die ich bisher getroffen habe und die beide Filme gesehen haben, finden unseren Film schöner. Melanie Bödeker:
Herr Rogenhagen, ich habe noch eine Frage an Sie: Sie haben vor einigen Tagen in einem Interview bei
"Titel Thesen Temperamente" (ARD) gesagt,
dass das Tourette-Syndrom eine Autoagressionserkrankung sei. Andi Rogenhagen:
Vielleicht habe ich mich hier einfach falsch ausgedrückt, was mir sehr
leid tut. Ich weiß, dass Betroffene sich aus einem Tic heraus auch mal
vor die Stirn schlagen oder Ähnliches, das habe ich damit gemeint. Wenn
das falsch verstanden worden ist, dann möchte ich mich hiermit
entschuldigen und werde in Zukunft darauf achten, dass ich das so nicht
mehr sage. Vielen Dank, dass
Sie sich die Zeit für uns genommen haben.
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