Fortbildung für Lehrer/innen am 21.08.09 in der Internatsschule am Seilersee in Iserlohn

Es war wieder soweit. Eine weitere Lehrerfortbildung stand an. Diesmal sollte es die Internatsschule am Seilersee in Iserlohn sein. Dieses Internat ist ein privates Aufbaugymnasium und hat ca. 140 Schüler. Die Schul- und Internatsleitung ist sehr interessiert, sich mit den verschiedenen Krankheitsbildern ihrer Schüler auseinander zu setzen. In einem Aufnahmegespräch bat man uns um eine Lehrerfortbildung, worüber wir sehr dankbar waren. Normalerweise ist es ja eher so, dass wir auf die Schulen zugehen müssen. Auch wurde unserer Bitte entsprochen, die Fortbildung öffentlich für jedermann zu machen, damit andere Interessierte aus der Umgebung teilnehmen konnten.

Nach langer Vorbereitung haben wir uns dann am 21.08.09 bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg gemacht. Frau Röske, die stellvertretende Internatsleitung, erwartete uns schon und begrüßte uns herzlich. Sie zeigte uns dann die Räumlichkeiten, in denen die Fortbildung stattfinden sollte.

Alle Lehrer und Betreuer des Internats nahmen teil. Auch hatten sich einige Lehrer aus Schulen in Iserlohn, Münster, Siegen und Olpe angemeldet. Hinzu kamen noch Schulpsychologen und Sozialpädagogen sowie ein Elternpaar, so dass wir auf eine Teilnehmerzahl von ca. 60 Personen kamen.

Als Referentin konnten wir wieder Frau Dr. Vitt von der Kinder – und Jugendpsychiatrie in Aachen gewinnen. Herr Rüger, der schon den Workshop für Tourette-betroffene Jugendliche (bei Frankfurt/Main) zusammen mit seiner Frau geleitet hatte, kam extra aus München angereist, was mich persönlich sehr freute. Herr Rüger ist selbst betroffen und in seinem Beruf sehr erfolgreich.

Kurz nach 16 Uhr wurden alle Anwesenden begrüßt und wir sprachen noch einmal dem Internat am Seilersee, ganz besonders Frau Röske, unseren herzlichen Dank aus. Frau Dr. Vitt erklärte den Anwesenden in sehr verständlicher Form den Unterschied zwischen einer Tic-Störung und dem Tourette-Syndrom. Sie sprach über den Weg der Diagnosestellung bis hin zu eventuellen Therapieformen (auch in medikamentöser Form). Auch wurden die Komorbiditäten angesprochen, und über die unterschiedlichsten Formen des Tourette-Syndroms und ihre Ausprägungen wurde diskutiert. Einige Studien zum Tourette-Syndrom und Schule, die in Amerika gemacht wurden, wurden ebenfalls vorgestellt.

Frau Dr. Vitt ging dann noch ganz besonders auf den Umgang der Lehrer mit Tourette- Betroffenen ein und gab den Anwesenden wertvolle Tipps. Geduldig wurden alle Fragen der Zuhörer beantwortet. Oliver war als Nächster dran und schilderte sehr eindrucksvoll seinen Weg in der Schule und beschrieb, was er sich für die Zukunft im Schulalltag wünschen würde. Nach Beendigung seines Referats wurde auch Oliver mit Fragen der Anwesenden bombardiert. Wie er seine Tics fühlt, was man machen kann, um ihm das Klassenleben zu erleichtern, wie man mit seinen Tics umgehen soll, was er braucht, um sich wohl zu fühlen. Sein Biologielehrer beschloss dann, das Thema Gehirn, speziell das Tourette-Syndrom, in den Unterricht einzubringen, was wiederum sehr positiv angenommen wurde.

Der Schulleiter, Herr Klein, bedankte sich bei Oliver für seine Offenheit und erklärte, dass er vielleicht bis vor kurzem noch mit genauso viel Unverständnis reagiert hätte wie viele andere, nun aber viel besser informiert wäre. Hier zeigt sich, wie wichtig eine Vernetzung und Kooperation der verschiedenen Einrichtungen und Organisationen ist.

Dann stellte sich noch Herr Rüger vor, der von dem Workshop für Tourette-betroffene Jugendliche berichtete, der vor kurzem statt fand und wie interessant und aufschlussreich die Arbeit mit den teilnehmenden Jugendlichen war. Auch berichtete er von seinem Leben mit dem Tourette-Syndrom und wie erfolgreich er trotz seines Tourette-Syndroms in seinem Arbeitsfeld ist. Er erzählte, wie wichtig ihm die Arbeit mit den Jugendlichen ist und beschrieb, wie er sich das künftige Coaching mit Oliver vorstellt.

Abschließend dankten wir noch einmal allen Anwesenden für das wirklich große Interesse und den sehr interessanten Nachmittag. Das ausgelegte Informationsmaterial wurde dankend und mit großem Interesse angenommen. Bei einem gemeinsamen Abendessen, zu dem wir von der Schule eingeladen wurden, ließen Frau Röske, Frau Dr. Vitt, Herr Rüger und wir diese sehr erfolgreiche Lehrerfortbildung mit interessanten Gesprächen und Rückblicken ausklingen.

Mein großer Dank gilt natürlich Frau Dr. Vitt, die ihren Vortrag wieder einmal sehr spannend und verständlich rüber brachte. Ebenso an Frau Röske und dem gesamten Internat, die mir gezeigt haben, dass es auch Schulen gibt, die sehr interessiert sind an ihren Schülern. Und, last but not least, Herrn Rüger, der allen Anwesenden zeigte, dass man trotz Tourette-Syndrom einen erfolgreichen Weg im Leben gehen kann.

Für den Vorstand der Tourette-Gesellschaft Deutschland e.V.
Melanie Bödeker (2. Vorsitzende)

 

Foto: Referent S. Rüger bei seinem Vortrag