Mit dem Polizeiboot auf dem Rhein auf Patrouille

Die Aktion "Kindertraum" erfüllte dem kleinen Julian aus Staffort einen seiner größten Wünsche

Stutensee-Staffort/Karlsruhe (nane). Die Rotorblätter des Polizeihubschraubers drehen sich noch und zerren an den Haaren der Umstehenden. Später öffnen sich die Türen des Helikopters und die Piloten klettern heraus. Mit Handschlag wird der kleine Julian begrüßt, schließlich ist er heute Ehrengast bei der Wasserschutzpolizei Karlsruhe. Was für ein Glück, dass sich der Polizeihubschrauber gerade bei Kontrollflügen über der Fächerstadt befindet. Kurzerhand haben die Männer im grünen Overall einen Stopp direkt neben dem Verwaltungsgebäude der Wasserschutzpolizei eingelegt. Strahlend sitzt der Sechsjährige nun im Cockpit und lässt sich die Instrumente erklären.

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Julian im Polizeihubschrauber

 

Möglich gemacht hat diesen tollen Tag für den kleinen Stafforter die Aktion "Kindertraum". "Da werden Wünsche besonderer und schwer kranker Kinder erfüllt", erklärt Tamara Wegmer. Die Mutter des kleinen Julian hat sich mit dem größten Wunsch ihres kranken Kindes an "Kindertraum" gewandt. Julian ist ein riesiger Polizeifan und wollte einmal mit einem Polizeihubschrauber fliegen. Das hat leider nicht geklappt, dafür hat er das Fluggerät der Polizei ganz aus der Nähe inspizieren dürfen und außerdem hält die Wasserschutzpolizei eine besondere Aktion für den Jungen bereit: Polizeiboot fahren. "Das glaubt mir niemand" flüstert Julian und erntet damit die Lacher der Umstehenden. Trotz eingeschränkter Fußfunktionen klettert der Knirps flink über den Steg hinein in den geräumigen Innenbereich des Bootes, freudestrahlend übrigens, trotz seiner Scheu vor den ganzen überwältigenden Dingen, die an diesem Morgen schon passiert sind.

Julian hat bei der Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten, erzählen die Eltern Tamara und Christian Wegmer. Dazu kamen Neugeborenen-Krampfanfälle, Lungenentzündung und ein Anschwellen des Gehirns. Julians Entwicklung sei immer etwas verzögert gewesen, berichten die Eltern. Viele Therapien hat er hinter sich und diese haben ihm auch schon geholfen. Wie jedoch andere Eltern behinderter Kinder haben auch die Wegmers in den vergangenen sechs Jahren gelernt, was für ein harter Weg es ist und wie kontinuierlich gearbeitet werden muss, um den Gesundheitszustand ihres Kindes zu verbessern.

Julian leidet am so genannten "Tourette-Syndrom" und ist über Gebühr aktiv und aufgedreht. Obwohl sich die Eltern lange gegen Medikamente zur Symptomlinderung gewehrt haben, gehe es jetzt viel besser damit, erzählen die Wegmers offen und freimütig. Sie wollen mit ihrem kranken Kind nicht verschämt hinterm Berg halten. Julian ist ein Junge, der sofort sein Umfeld verzaubert: Der süße kleine Blondschopf schaut mit regem Interesse und gebührendem Respekt alles an und allem zu. Immer dabei auch Jürgen Schöfer von der Pressestelle des Polizeipräsidiums, der diese Aktion wesentlich mit organisiert hat und betont, dass solche "Wunschtage" natürlich Einzelaktionen seien.

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Julian im Boot der Wasserschutzpolizei

 

Endlich geht es hinaus auf den Rhein, Julian sitzt ganz vorne im Boot und hat alles im Blick. Absolut aufregend und super ist dieser Tag, weiß der kleine Stafforter jetzt schon. Stolz erzählt er, wie ihn der Polizeibus daheim abgeholt hat – mit Blaulicht und Sirene ging es dann in den Rheinhafen – gut, dass der junge Polizeifan seine eigene Kelle mit dabei hat, so steht er den großen Kollegen in nichts nach. "Jetzt geht es noch ins Polizeigefängnis", verkündet Jürgen Schöfer. Auch den Blick in diesen Bereich der Polizeiarbeit, die Gewahrsamstelle in der Moltkestraße, bekommt nicht jeder zu sehen. "Und dich lassen wir auch gleich wieder gehen", versichern die Polizeibeamten ihrem kleinen Gast lachend.

 

Q u e l l e :

Badische Neue Nachrichten
Verfasserin: Natalie Nees
Erscheinungstag: 06. August 2005
Internetpräsenz: www.bnn.de

Fotos: Tamara Wegmer

 

                                                     

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