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Tourette im Kino: EIN TICK ANDERS
DAS TOURETTE-SYNDROM
von Jasna Fritzi Bauer, Sonntag, 10. Juli 2011 um 16:00
Wie ihr sicherlich gelesen oder gehört habt, hier auf meinem Blog oder in
den Medien, ist letzten Donnerstag unser Film "Ein Tick Anders"
in den deutschen Kinos angelaufen. In diesem Film spiele ich Eva, ein
17-jähriges Mädchen, welches am Tourette-Syndrom leidet.
In "Ein Tick Anders" wird eine bestimmte Form vom
Tourette-Syndrom dargestellt und zwar heißt diese Ausprägung des TS
Koprolalie. Menschen, die von TS betroffen sind und Koprolalie haben, rufen
obszöne Worte aus. Meistens "ticken" die Betroffenen Worte wie
"Nutte", "Heil Hitler", "Arschloch" oder
andere solcher Worte, eben Worte, welche provozieren.
WICHTIG zu WISSEN ist jedoch, dass nur wenige der Betroffenen an der
sogenannten Koprolalie erkrankt sind. Die Mehrzahl von TS-Betroffenen lebt
mit anderen Formen des TS, z.B. mit motorischen Tics, was bedeutet, dass
sie grimassieren. Andere Ausformungen des TS sind die Echopraxie, das
bedeutet, dass das Gegenüber imitiert wird. Und so gibt es noch einige
andere Formen des TS. Vokale Tics, einfach nur Laute, die ausgerufen
werden oder Geräusche, die nachgemacht werden. Andere Betroffene fügen
sich durch ihre Tics Selbstverletzungen zu. Jeder Betroffene
"tict" eben anders.
Wie bei "Vincent will Meer" wird auch bei "Ein Tick
Anders" die seltenste Form vom TS benutzt, die Koprolalie, weil sie
schlicht und einfach für die cineastischen Zwecke die wirksamste ist.
Das soll nicht bedeuten, dass hier in diesem oder in diesen Filmen eine ernst zu nehmende Erkrankung
missbraucht wird. Natürlich soll die
Benutzung dieses Mittels in Form von einer Krankheit auch eine Plattform
dafür sein, die Menschen zu mehr Toleranz und Akzeptanz in unserer
Gesellschaft aufzurufen. Jeder soll so akzeptiert werden wie er ist. Vor
allem die Menschen, die an Krankheiten oder Behinderungen leiden. NIEMAND
sollte wegen einer Erkrankung oder Behinderung sozial abgeschottet leben
müssen.
In dem Film "Ein Tick Anders" in dem ich die TS-Betroffene Eva
spiele, geht es um Toleranz, um Liebe und Verständnis. Ich hoffe, dass
das die Menschen, die den Film sehen, erreicht und diese Botschaft
verstanden und übermittelt wird.
Und nur als Anhang, weil ich von einigen Betroffenen gehört habe, dass es
falsch ist: In einem Interview hat Andi Rogenhagen (welcher der Regisseur
des Films ist) erzählt, das seiner Meinung nach, TS eine
Autoaggressionskrankheit ist. Dem ist nicht so. Das Tourette-Syndrom ist
eine neurologisch-psychiatrische Erkrankung. Sollte dies falsch sein, so
bitte ich um Aufklärung.
Für mehr Informationen zum Thema Tourette-Syndrom klickt doch auf
folgende Links:
www.tourette.de
von Christian Hempel
www.tourette-syndrom.de
von Hermann Krämer
www.iv-ts.de
(IVTS, InteressenVerband Tic und Tourette Syndrom e.V.)
www.tourette-gesellschaft.de
(TGD, Tourette-Gesellschaft Deutschland)
Ich danke Euch allen das ihr unseren Film unterstützt, ich bin sehr froh,
dass ihr ihn mögt und bin sehr glücklich darüber zu hören, dass nicht
über Eva, sondern mit ihr gelacht wird und das von allen Seiten.
Es war mir eine große Freude diesen Film zu machen, mich selbst weiter
und tiefer mit dem TS beschäftigt haben zu dürfen und auch die Chance
gehabt zu haben, ein paar von Euch kennen zu lernen. Ich danke Euch für
Eure Offenheit und Euern Mut und hoffe, dass wir weiterhin in Kontakt stehen
werden.
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