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Positive Erfahrungen mit Haustieren
Wer Kinder hat, weiß, dass vermutlich
irgendwann mal die Frage auf Haustiere kommt. Eltern mit TS-Kindern sind
da eventuell am überlegen, ob ein Haustier mit den Tics des Kindes
"zurechtkommt". Wir wollen berichten, wie es bei uns war/ist und
welche Rolle Haustiere in unserem Leben spielen.
Unser Sohn hatte früher, so mit 3-7 Jahren, mit den Nachbarkindern in
deren Garten gespielt. Dort gab es drei Hunde. Es war nie ein Problem. Bis
eines Tages einer der Hunde unseren Sohn in den Knöchel biss. Wir wissen
bis heute nicht warum. Möglicherweise ist der Hund erschrocken, denn so
mit 5 Jahren traten bei unserem Sohn die ersten Tics auf. Daraufhin
entwickelte unser Sohn eine panische Angst vor Hunden, obwohl er schon
damals Hunde über alles liebte und unbedingt einen wollte. Sobald der
kleinste Hund zu sehen war, rannte er weg. Trotz
dieser Angst blieb bei ihm der Wunsch bestehen, selber einen Hund zu
haben. Es gibt vermutlich kaum ein Hundebuch, das er nicht hat. Er kennt zwischenzeitlich jede Rasse.
Wir hatten jedoch Bedenken, einen Hund in die Familie zu holen, da wir
auch nicht wussten, ob das klappt. Wir stellten uns im Geiste vor, wie
unser Sohn abends bellt (→ als Tic) und der Hund dann antwortet. Wir befürchteten, es würde kaum
mehr Ruhe einkehren.
Vor sechs Jahren kam eine Frau mit einem Katzenbaby zur Katzenstation der
AG Tierschutz, die unserem Hause gegenüber eine Station hat. Die Kinder
spielten zufällig im Hof und waren hin und weg, als sie das "süße
Kätzchen" sahen, welches ein Kater war. Ab diesem Zeitpunkt gab es
nur noch ein Thema. Unsere beiden Kinder wollten unbedingt diesen kleinen
Kater haben. Die damalige Besitzerin, der das Katerchen zugelaufen war,
wollte ihn in gute Hände geben. Die Tics unseres Sohnes waren für die
Frau kein Problem. Wir wurden tagelang von unseren Kindern bearbeitet.
Nachdem unser Herz eigentlich schon erobert war, haben wir uns dann
entschlossen, den kleinen Kater als neuen Hausgenossen in die Familie zu
holen.
Es klappte sehr gut. Unser Kater namens Max hatte trotz des etwas höheren
Lärmpegels in unserem Hause (vor allem wegen der vokalen Tics) kein
Problem. Er entwickelte sich prächtig. Nach etwa einem halben bis
dreiviertel Jahr ließen wir ihn dann auch ins Freie.

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Inzwischen ist er
ein "Freigänger", der ab und zu das "Hotel Mama"
besucht, um zu essen und sich seine Streicheleinheiten abzuholen. Im
Winter ist er etwas häuslicher.
Nach einigen Jahren kam das Thema Hund erneut auf. Wir konnten uns immer
noch nicht dazu entschließen. Wir hatten auch Bedenken, ob unser Sohn
seine Angst wirklich verlieren würde. Für kurze Zeit hatten wir dann mal
zwei Hasen. Aber irgendwie konnten die Kinder nicht so viel mit ihnen
anfangen. Die waren auch sehr "empfindlich".
Na, was denken Sie, stand nun wieder auf dem Programm? Ja logisch, ein
Hund.
Über lange Zeit gingen wir sonntags regelmäßig ins Tierheim, einen Hund
"Gassi führen". Dies war für uns auch die Möglichkeit
festzustellen, ob es gut gehen könnte. Und – zu unserer Überraschung -
klappte es eigentlich ganz
gut. Wir konnten den Wunsch, einen eigenen Hund haben zu wollen, schon
nachvollziehen, denn meine Frau hatte als Kind zeitweise einen Hund und
ich hatte auch Interesse daran. Unser erster Versuch, einen Welpen zu
bekommen, scheiterte an der "Tierschützerin", die starke
Bedenken hatte, uns einen der Welpen zu geben. Sie erlebte unseren Sohn
sehr stark ticend. Es war eigentlich klar, denn er war in dieser Situation
sehr aufgeregt und seine Tics waren daher sehr stark. Die Kinder weinten
daraufhin sehr. Dieser Versuch ging also in die Hose.
Verärgert über die, nach unserer Ansicht, verständnislose Reaktion der
Tierschützerin, kauften wir eine Anzeigenzeitung, um zu schauen, ob dort
Welpen zum Verkauf angeboten werden. Einige Anzeigen sagten uns zu und wir
nahmen Kontakt auf. Eine Anzeige jedoch sprach uns besonders an und wir
vereinbarten einen Termin. Als wir dort ankamen, "eroberten" die
Welpen unser Herz im Nu. Unser Sohn ging, um sich vor einer weiteren
unangenehmen Erfahrung zu schützen, nicht mit zu den Leuten. Er blieb im
Auto, welches wir in einiger Entfernung vom Haus abgestellt hatten. Er befürchtete,
wieder diskriminiert zu werden und auf jemanden zu treffen, der nicht
verstehen bzw. nachvollziehen kann, weshalb er in dem Moment mehr tict, nämlich
vor Aufregung.
Es waren noch drei Welpen da. Meiner Frau, meiner Tochter und mir gefiel
sofort der Welpe mit einem "Minischnauzbart". Zu unserer Freude
hat sich das "Zusammenleben" mit diesem Hund von Beginn an gut
entwickelt. Unsere schlimmen Befürchtungen traten nicht ein. Moritz –
so nannten wir ihn – waren die Tics unseres Sohnes völlig egal. Der
Hund wuchs damit auf. Für ihn ist das ganz "normal". Unser Sohn
und Moritz verstanden sich auf Anhieb prächtig. Beide sind ein Herz und
eine Seele.

Unsere anfänglichen Zweifel
in Bezug auf "TS und Haustiere" haben sich zerstreut. Aufgrund
unserer bisherigen Erlebnisse können wir sagen: wegen TS sollte
nicht auf ein Haustier verzichtet werden. Wir haben die besten Erfahrungen
gemacht. Unserem Sohn hat es das Selbstvertrauen gestärkt, und er hat nun
auch vor fremden Hunden keine Angst mehr. Also in gewisser Weise hatte es
auch einen therapeutischen Effekt.
Aus unserer Familie sind Max und Moritz nicht mehr wegzudenken, wir haben
uns sehr an sie gewöhnt. Uns würde etwas fehlen. Jetzt dürfen Sie zum
Schluß mal raten, wer von beiden Tieren der "Boss" ist? Na?
"Graf Max hat das Sagen" und Moritz fügt sich. Er ist so
ziemlich der liebste Hund, den wir kennen. Mal Glück gehabt, bei dem
vielen Pech, das wir sonst schon hatten.
Michael Treffer, Februar 2005
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