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Die
Bestie
Die schwarze Bestie beginnt in
mir zu wüten.
Sie bedient sich meiner Seele, meines Körpers.
Sie zerrt an mir und schreit aus Leibeskräften.
Sie bricht aus mir heraus,
schüttelt mich,
stößt beängstigende Schreie aus und tobt wie
tollwütig … demütigt mich.
Eine Weile gibt sie Ruh' …
doch nur kurz,
nur um Kräfte zu sammeln. Bald wird sie wieder
zu Kräften kommen und ihr schaurig trauriges
Spielchen von Neuem mit mir treiben.
Wieder und wieder … bis
nichts weiter bleibt
als eine jämmerliche Gestalt, die den Willen über
Seele und Körper verlor.
("Die Bestie" soll
Symbol sein für das Tourette-Syndrom)
Die Bank
Ich sitze auf einer hölzernen Bank. Sie ist hart und wenig bequem, doch gibt
sie mir Halt. Tief verankert in steinernen dunkelgrauen Fliesen steht sie
einfach da. So wie jeden Tag. Die Nägel, die ins Holz geschlagen, so schief, so
unperfekt. Rillen im Holz - ungleich, krumm. Unterbrochene Linien zieren diese
Bank. Diese Bank ist unperfekt. Sie gleicht keiner Weiteren. Bloß auf den
ersten Blick, scheint sie mit den Anderen identisch zu sein. Doch das ist sie
nicht. Sie ist unvollkommen - genau wie ich. Wie jeder Einzelne auf dieser Welt
unperfekt und individuell ist. Ich schließe meine Augen. Sacht streicht der
Wind durch mein Haar, streichelt sanft mein Gesicht. Blätter knistern. Wind
rauscht durch die Zweige. Die Bäume versuchen sich von ihrer schweren Blätterpracht
zu befreien. Doch nicht alle Äste sind kahl. Einzelne goldene Blätter haften
noch an ihnen. Es scheint, als hielten die Zweige sie fest. Als wollten diese
sie noch nicht gehen lassen. Ihre Zeit ist noch nicht gekommen. Der Winter naht,
aber nun ist Herbst und der Winter muss sich noch etwas gedulden, bevor er sein
weißes Kleid über uns legt und alles in sanfter Stille vergeht. Die Luft so kühl
und frisch. Sie durchströmt mich. Sie ist rein, lässt mich kaum spürbar frösteln.
Ein Vogel singt sein Lied. Er lässt Blätter unter seinen kleinen dürren Füßchen
knistern. Ich erinnere mich an jene schöne Sommer, an denen ich einst noch glücklich
war. Ich sehne mich nach diesem intensiven wunderschönen Gefühl des Glückes
und der inneren Ruhe. Doch das, was ich nur noch spüre, ist ein schwerer kalter
Stein auf meinem Herzen, so schwer, dass er meinen Körper zu Boden reißt und
mich in die Knie zwingt.
Tourette-Lyrik Irene E. (* 20.05.1985
† 19.12.2007)
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