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Die
mit dem Tourette ist eigentlich ganz nett
es
war einmal ein kleines kind,
das war wie alle kinder sind.
oder – beinah,
denn hie und da…….
da tanzte es dann aus der reih',
benahm sich wie ein kuckucksei
es zappelte, es rappelte,
es zuckte, nickte, wackelte,
es sagte "häm", es sagte "hick"
doch ihm gelang's mit viel geschick
all dies zu unterdrücken, zu verstecken,
nicht aufzufall'n, nicht anzuecken.
oder – beinah,
denn hie und da…….
bemerkte doch einer etwas,
fragte erstaunt: "was ist denn das"?
doch das war noch nicht das allerschlimmste,
das war noch nicht das allerdümmste,
denn manch einer sagte auch frech:
"das kind
ist krank, was für ein pech!
das ist ja grässlich anzusehn!
das kann doch nicht so weitergeh'n!
reiß dich zusammen, gwöhn's dir ab!"
trost und
verständnis keiner gab.
zum glück geschah's nur hie und da.
das kind blieb fröhlich, oder – beinah…….,
denn immer, wenn es dazu kam,
das seltsam sich das kind benahm,
fragte es sich: "wieso? warum?
bin ich denn krank, verrückt und dumm?
warum muss ich mich stets bewegen,
muss ich geräusche von mir geben?
was ist das, was mich ständig quält,
wie glühend' kohle in mir schwelt?
als
wär' ich kochend heißes wasser,
auf das man einen deckel hält?
warum kann ich's mir nicht verkneifen?
ich kann ganz einfach nicht begreifen,
was mich derart und -maßen dirigiert,
mich beschämt, mich kontrolliert.
ist's eine strafe, ein dämon?
die leute spotten, zeigen hohn
ist denn da keiner auf der welt,
der das versteht und zu mir hält?
ein jemand, der mein schicksal teilt,
der mir's erklärt, mich vielleicht heilt?"
das kind es wuchs, es wurde groß,
und hatte
gar kein schlechtes los
es folgte seinem weg recht gut,
es zeigte fleiß, geschick und mut,
jedoch das ständige verstecken,
unterdrücken, ausreden aushecken,
war diesem kind stets eine qual.
es wollt' nur eines sein: normal
und glücklich! was es wohl auch war, oder – beinah,…….
denn drüber reden konnt' es nicht, nicht mal hie und da.
keiner war da, die not zu seh'n,
ihm zuzuhör'n, es zu versteh'n.
aus dem was war, wurde dann mehr.
allmählich wurde es sehr schwer,
nicht aufzufall'n, sich anzupassen,
zu verdrängen, den kopf im sand zu lassen,
bekannte und fremde waren entsetzt!
das grosse kind fühlt' sich verletzt,
und so geriet alles ins holpern,
durchs leben geh'n wurde zum stolpern.
das grosse kind war der verzweiflung nah –
oder – fast, beinah, denn hie und da.................
ein goldregen vom himmel kam,
weil's jemand in die arme nahm,
bis alles wieder stille stand
und es zu seiner ruhe fand.
das grosse kind, es konnt' nun reden,
sich alles von der seele leben.
es blieb nun nicht mehr im versteck,
erfuhr von dem syndrom tourette!
dass sich viele damit plagen,
zucken, ticken, schimpfwörter sagen.
dass es bei jedem variiert
und nicht auf gleiche art passiert.
begriff, dass auch, wenn's einem nicht so gut geht,
es immer an allererster stelle steht,
dass
man bei dem ganzen nie vergisst,
wie und wer man insgesamt ist!
wie man damit umgeht, und dass man drauf schaut,
dass man es möglichst gut in sein leben einbaut,
dass man "einfach" dazu steht,
und erhobenen hauptes weitergeht,
wenn andere leute glotzen und staunen,
sich spöttische, hässliche dinge zuraunen.
und dass man sagt, wenn jemand fragt,
auch wenn es einem nicht behagt:
"das, was ich hab', das heißt tourette,
und eigentlich bin ich ganz nett!
unentwegt! oder – beinah,
denn hie und da…………"
Für
meine Kinder, Arash, und meine Eltern
Anna
Pourkarami
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