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Super Erlebnis: Training in einem Boeing 737-500 Flugsimulator

Bericht von Christopher (14 Jahre)

Am 15. Juni 2010 fuhren meine Mutter und ich nach Herne. Von unserem Wohnort aus waren das rund 465 Kilometer. Wir schliefen dann diese Nacht bei Melanie, was sehr praktisch war, denn sie wohnt nur circa 30 Kilometer vom Simulator entfernt.

Wir fuhren am 16. Juni 2010 um 12.30 Uhr bei ihr ab, denn wir waren uns nicht sicher, wie die Verkehrslage auf unserer Strecke nach Essen sein würde. Vielleicht hätte uns ja noch ein Stau erwartet, was jedoch nicht der Fall war. Als wir ankamen, war es 13.30 Uhr. Unsere „Session“ sollte erst um 14.00 Uhr beginnen. Wir trafen einen jungen Mann, der gerade eine Pilotenausbildung macht. Daher konnte ich mich mit ihm unterhalten und ihm Fragen stellen, die er mir auch beantwortete. Danach gingen wir im Firmengebäude an die Rezeption und meldeten uns und die nette Dame sagte zu uns, dass wir noch etwas warten müssten und bot uns Kaffee und Tee im Aufenthaltsraum an. Nach einer kurzen Weile kam der Pilot, mit dem wir uns sofort gut verstanden und wir kamen sehr schnell ins Gespräch. Wir, also Melanie, meine Mutter, ich und er, plauderten noch etwas und stellten uns gegenseitig Fragen. Danach ging es direkt im Erdgeschoss in das Zimmer, in dem der Boeing 737-500 Simulator stand. Ich machte natürlich erst ein paar Fotos.

Der Pilot schaltete den Simulator erst an und bat mich, auf dem Kapitänssitz Platz zu nehmen. Ich setzte mich natürlich ohne lange zu zögern hin und er zeigte mir die Funktionen des Sitzes und sagte zu mir, ich solle meinen Sitz in eine einigermaßen bequeme Position bringen. Nachdem ich das getan hatte, wies er mich etwas ins Cockpit ein und es war mal wieder etwas Zeit für kleine Fragen.

Wir starteten auf dem Flughafen Düsseldorf, der auch real in unserer Nähe war. Der Pilot gab vollen Schub und ich musste per Seitenruder auf der Mittellinie bleiben. Als wir abhoben, musste ich zuerst mit 18°, dann mit 10° auf 3000 Fuß steigen. Nach einer kleinen Weile sollte ich auf 4000 Fuß steigen und auf einen anderen Steuerkurs drehen. Dann wieder auf 3000 Fuß sinken. Ich war ebenfalls für die Geschwindigkeit zuständig, die während der Platzrunde um den Flughafen 210 Knoten betrug. Ich sollte dem Piloten die Flaps, also die Landeklappen ansagen und die dazu gehörige Maximalgeschwindigkeit. Im Anflug stellte er mir die ILS-Frequenz ein. Das ILS ist ein Flugpfad, auch Glideslope genannt, der in Form eines Funkfeuers von der Landebahn ausgesandt wird. Ein Pilot muss diesem Pfad folgen, um per Instrumentenflug auf die Landebahn zu finden und muss dabei nicht mal aus dem Fenster schauen.

Ich folgte dem ILS, jedoch kam die Landebahn früher als ich dachte. Kurz vor der Landung sagte der Pilot zu mir: Jetzt geben wir vollen Schub und starten durch! Also Vollgas geben, auf 18° hochziehen, dann wieder 10°, auf 3000 Fuß steigen und diese Höhe halten. Nach rechts drehen und alles nochmals von vorne. ILS folgen und wieder durchstarten.

Beim 3ten Anflug landeten wir allerdings komplett. Die Landung war sanft, jedoch hatte ich auf dem Boden ein paar Probleme, da ich bis jetzt nur auf meinem PC-Flugsimulator geflogen bin und die Steuerung der Instrumente nur über Knopfdruck regeln kann. Hier war das natürlich ganz anders. Ich musste mit den Füßen, was ich schon gewohnt war, das Seitenruder betätigen. Jedoch waren die Pedale sehr verwirrend, denn sie waren recht locker und  ich war mir nicht richtig sicher, wie ich die Pedale zu treten habe: Ob ich sie reinschieben musste oder wie ein Autopedal drücken musste. So fuhr ich Slalom auf dem Boden, was jedoch auch nicht sooo schlimm war. Wir rollten zum Gate und ich hatte wieder Probleme mit den Pedalen und bin gerade noch ganz knapp vor den Parklotsen am Gate stehen geblieben. Danach schalteten wir zusammen das Flugzeug ab: Er sagte mir, welche Knöpfe ich am Overhead-Panel drücken muss.
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Danach verließen wir den Simulator. Melanie, meine Mutter und ich bedankten uns recht herzlich und verabschiedeten uns.

Zurück an der Rezeption empfing uns ein anderer Mann und gab uns eine ausführliche und interessante Führung durch das gesamte Gebäude. Wir gingen ins Erdgeschoss und dort in das Cockpit einer DC-10. Nach ein paar Erklärungen ging es auch schon weiter in den Rumpf eines ausgemusterten Airbus A320. In diesem modifiziertem Airbus werden die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter auf verschiedene Situationen wie Rauch, Feuer, spezielle Aktionen wie Wasserlandungen etc. vorbereitet. Das Flugzeug muss man sich wie einen normalen Airbus vorstellen, jedoch war dieser verkürzt und stand auch nicht komplett herum, sondern war abgeschnitten. Der Gebäudeführer zeigte mir die Steuerzentrale für die Simulationen. Danach ging es weiter in eine Halle, in der Flugzeugrümpfe eines A320, A330/A340 und anderer standen. Hier waren die Notrutschen im Mittelpunkt und wir durften sie sogar benutzen! Zuerst beim A320 und danach beim A330/A340 (den / schreibe ich aus dem Grund, weil die beiden Flugzeuge die selben Türen haben). Dann haben wir weitere Erklärungen bekommen, zum Beispiel, dass jedes Flugzeug innerhalb von 90 Sekunden leer sein muss, um zugelassen zu werden und dass auf der Notrutsche des A330/A340 immer sechs Leute gleichzeitig drauf sein müssen. Danach gingen wir in eine Art Container und ich durfte drei Feuer an drei Stellen mit einem Flugzeugfeuerlöscher, gefüllt mit Wasser statt dem normalen Löschstoff, löschen. Ein Feuer befand sich auf einem Sitz, eines in einem Flugzeugofen und eines in einer Wastebox im Flugzeugklo. Ich muss sagen, dass das recht Spaß gemacht hat, jedoch war ich mir auch etwas unsicher – aber ich habe es geschafft.

Dann war die Führung durch das Firmengebäude zu Ende und ich war überglücklich, weil der ganze Tag perfekt war. Aber die Firma musste ja noch als Sahne-, nein, als Goldhäubchen, einen drauflegen: Als wir an der Rezeption ankamen, bekam ich Flugzeugmagazine, Flugzeugaufkleber und sogar eine Urkunde für meinen Fun-Flug in einer B737. Tausendmal Danke gesagt und glücklich bis zum geht-nicht-mehr verabschiedeten wir uns und fuhren wieder zu Melanie nach Hause. Jetzt sitze ich an ihrem Computer und schreibe diesen Bericht, um alle Interessierten an meiner Wunscherfüllung wenigstens etwas teilhaben zu lassen.

Ich möchte mich ganz herzlich bei Melanie (2. Vorsitzende der Tourette-Gesellschaft Deutschland) für ihre Bemühungen um die Wunscherfüllung, und bei der Firma, die sich bereiterklärte, mir den Wunsch zu erfüllen, bedanken. Ich bin wirklich überglücklich! Danke.